Spielzeit für Stubentiger und Tierheimkatzen

17. Juni 2019 von Paolo Zambianchi

Tierheim- und Wohnungskatzen langweilen sich schnell. Wie können Katzen, die nicht nach draussen dürfen, langfristig geistig und körperlich fit gehalten werden?

Der Angriff erfolgt plötzlich aus dem Hinterhalt. Bimbo stürzt sich auf die Beute und schlägt seine Krallen ins rosa Fleisch. Die Beute schreit auf und flucht, versucht die Raubkatze abzuschütteln. Bimbos Beute, das sind Herrn P.’s Füsse, nun jämmerlich zerkratzt und blutend von den Krallen seines Wohnungskaters.

Herr P. suchte Hilfe bei der Heimtierberatung des STS, weil Kater Bimbo immer wieder seine Füsse attackierte und Herr P. sich in seiner Wohnung kaum mehr zu bewegen wagte. Ist Bimbo zur hyperaggressiven Kampfkatze mutiert? Nach dem Beratungsgespräch ist klar: Bimbo ist schlicht unterbeschäftigt und sucht sich seine Jagdobjekte, wo er sie eben gerade herkriegen kann.

Angeborener Jagdtrieb

Langeweile tritt vor allem bei Wohnungs- und Tierheimkatzen auf, die nicht nach draussen dürfen. Da die Abwechslung des Freilaufs fehlt, brauchen diese Tiere Alternativen, um ihr natürliches Jagdverhalten auszuleben. Denn Jagen ist neben Schlafen und der Körperpflege die Hauptbeschäftigung von Katzen. Freilaufkatzen verbringen bis zu sechs Stunden pro Tag unterwegs auf der Jagd.

 

Jagdspiele sind darum die wichtigste Beschäftigung für Wohnungskatzen, die sozusagen arbeitslos geworden sind. Die meisten Jagdausflüge von Freilaufkatzen dauern weniger als eine halbe Stunde. Katzen sollten also nicht bloss ein Mal lange, sondern immer wieder kurz die Möglichkeit haben zu jagen.

Maus-Avatare

Die Frage ist, welche Ersatzbeute sich am besten eignet. Findige Verhaltensbiologen der Universität Zürich haben für eine Semesterarbeit Kinderspielzeug zweckentfremdet und aus Meccano-Bauteilen einen Seilzug angefertigt, mit dem sie beuteähnliche Objekte durch die Katzenzimmer eines Tierheims zogen.

Sie wollten herausfinden, welches die optimale Geschwindigkeit, Grösse und Beschaffenheit von Ersatzbeuteobjekten ist, um bei den Katzen möglichst häufig Beutefangverhalten auszulösen.

So weit das ehrgeizige Ziel der Forschung. Das für jeden Katzenhalter sonnenklare Resultat: Katzen reagieren vor allem auf kleine, bewegte Dinge in der Grösse eines Pingpongballs, bevorzugt solche mit fellähnlicher Oberfläche. Besonders attraktiv sind diese Objekte, wenn sie sich ruckartig bewegen und um die Ecke verschwinden. Halt eben wie eine echte Maus. Dies die bahnbrechende Forschungserkenntnis.

 

Katzenanimation

Jede Menge umhergestreutes Spielzeug in Mausform reicht den meisten Katzen allerdings nicht aus. Richtige Mäuse liegen ja auch nicht einfach faul in der Gegend herum. Es braucht immer noch einen menschlichen Arm (oder einen Meccano-Seilzug), der das Spielzeug für die Katze erst attraktiv macht. Katzenbeschäftigung ist Anregung für Körper und Seele und sorgt dafür, dass Katzen nicht verkümmern. Die gemeinsame Beschäftigung verbessert ganz nebenbei auch noch die Beziehung zwischen Tier und Mensch; ein gewichtiges Argument also, dem Spiel mit der Katze so viel Zeit wie möglich zu widmen.

Fummelbretter & Co.

Verfressene Katzen lassen sich sehr gut beschäftigen, indem sie für Futter arbeiten müssen. Helena Dbalý hat mit ihren fantasievollen Katzenfummelbrettern einen Beschäftigungshit für Katzen gelandet. Aus kostenlosen Alltagsgegenständen wie Kartonrollen, leeren Petflaschen oder Waschmittelkugeln sowie aus ausrangiertem Spielzeug wie Bauklötzen, Pingpongbällen oder Sandkastenförmchen lassen sich mit einer Portion Fantasie Fummelbretter basteln, bei welchen die Katzen aus kleineren oder grösseren Öffnungen Futterstücke herausgrübeln müssen, die ihr Mensch darin versteckt hat. Übrigens widmen sich auch Freilaufkatzen mit Begeisterung solchen Katzenfummelbrettern!

Katzen sind lernfähig

Katzen können ausserdem, wenn es ihnen denn gerade passt, eigentlich für Hunde entwickelte Intelligenzspielzeuge knacken. Auch im Clickertraining stehen sie den Hunden in nichts nach. Das Clickergerät ist im Prinzip nichts anderes als ein kleiner Knallfrosch. Erst lernt die Katze, dass auf den Klick immer eine Belohnung folgt. Dann klickt man beim eigentlichen Training in jenem Moment, in dem die Katze das erwünschte Verhalten zeigt. Die Katze wird dieses Verhalten daraufhin häufiger befolgen. Mit dem Clicker kann man Ruhe und Entspannung fördern, aber auch Tricks einüben wie Pfötchengeben oder Apportieren.

Bimbo auf jeden Fall macht unterdessen professionell Männchen und springt durch einen Springformreifen. Mit seinen Fummelbrettern und einem auf ihn zugeschnittenen Katzenunterhaltungsprogramm hat er es nun nicht mehr nötig, Füsse zu jagen.

Autorin und Fotos
Dr. Eva Waiblinger für den Schweizer Tierschutz STS, www.tierschutz.com

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