Bauchspeicheldrüsenentzündung bei der Katze

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Pankreatitis ist eine Krankheit, die immer häufiger diagnostiziert wird und bei Katzen öfters vorkommt als bei Hunden. Die Krankheit kann akut oder chronisch auftreten, aber sie wird immer noch als unterdiagnostiziert angesehen, da die klinischen Anzeichen sehr unspezifisch sind, besonders bei Katzen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Funktionen des Pankreas und seine anatomische Lage
  2. Wie entsteht eine Pankreatitis?
  3. Was sind die Symptome einer Pankreatitis bei Katzen?
  4. Welche Katzen sind am häufigsten von Pankreatitis betroffen?
  5. Symptome der Pankreatitis bei Katzen
  6. Diagnose der Pankreatitis bei Katzen
  7. Therapie für Katzen mit Pankreatitis
  8. Prognose für eine Katze mit Pankreatitis
  9. Komplikationen, die durch eine Pankreatitis verursacht werden
  10. Punkte, auf die man achten sollte

Funktionen des Pankreas und seine anatomische Lage

Beginnen wir damit, die Bauchspeicheldrüse im Körper zu lokalisieren und ihre Funktionen kennenzulernen. Sie befindet sich direkt nach dem Magen, am Anfang des Dünndarms und sie vereint zwei wichtige, aber sehr unterschiedliche Funktionen in einem einzigen Gewebe.

Die exokrine Funktion

Die Bauchspeicheldrüse produziert Enzyme, die über den Verdauungstrakt nach aussen gelangen. Diese sind in den Ausführungsgängen noch inaktiv und werden erst aktiv, wenn sie in den Darm gelangen. Diese Enzyme (Protease, Lipase, Amylase) beteiligt sich somit aktiv an der Verdauung der Nahrung. Diese Funktion macht 90 % der Pankreasmasse aus und die Hauptaufgabe besteht somit darin, die Verdauung zu gewährleisten.

Die Katze hat eine anatomische Besonderheit: Das Ausscheidungssystem besteht nur aus dem Hauptpankreasgang, der in den Gallenblasengang (Choledochus) mündet, bevor er an der Papilla duodeni major in den Zwölffingerdarm (Duodenum) mündet.

Die exokrine Bauchspeicheldrüse produziert ein Sekret, das auch aus Bikarbonaten besteht. Es handelt sich um eine basische Flüssigkeit, die den Magensaft neutralisiert, der in den Zwölffingerdarm gelangt. Der daraus resultierende pH-Wert ist optimal für die Wirkung der Pankreasenzyme und verhindert die Bildung von Zwölffingerdarmgeschwüren.

Eine Insuffizienz der exokrinen Bauchspeicheldrüse kann eine bakterielle Vermehrung, eine Hypokobalaminämie, eine Steatorrhoe, eine Kreatorrhoe (abnormal hohe Proteinmenge im Stuhl) und eine Unterernährung zur Folge haben.

Die endokrine (= hormonelle) Funktion

  • Sie besteht aus den Langerhans-Inseln, die 1 % der Masse der Bauchspeicheldrüse ausmachen. Diese Inseln bestehen aus mehreren Zelltypen.
  • Die Alpha-Zellen synthetisieren das blutzuckersteigernde Hormon Glukagon und die Beta-Zellen synthetisieren das blutzuckersenkende Hormon Insulin. Beide Hormone zusammen ermöglichen die Regulierung des Blutzuckerspiegels.
  • Durch die Produktion von Hormonen (Insulin, Glukagon), die den Körper nicht verlassen (ENDO), sondern über das Blut zirkulieren, trägt die Bauchspeicheldrüse zur Regulierung der Glukoseverwertung und -speicherung bei.

Wie entsteht eine Pankreatitis?

Die Mechanismen, die akute und chronische Pankreatitis auslösen, sind noch nicht ausreichend bekannt. Die Hypothese einer vorzeitigen Aktivierung (vor der Ankunft im Darm - noch im Ausführungsgang) von Verdauungsenzymen, die zu einer Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse führt, was wiederum eine Pankreatitis zur Folge hat, scheint von allen akzeptiert zu werden. Es gibt jedoch noch keinen Konsens darüber, wie dieses Ereignis abläuft. Die Pankreatitis wird dann als idiopathisch (man kennt die Ursache nicht) angesehen.

Diese vorzeitige Aktivierung der Enzyme greift die Bauchspeicheldrüse an, was zu einer schweren Entzündung des Drüsengewebes bis hin zu seiner Zerstörung führt. In einigen Fällen kann dieser Prozess sich auch auf das umliegende Gewebe ausweiten. Wenn keine schnelle und effektive Notfallversorgung gewährleistet wird, kann es zu einer ernsten, manchmal tödlichen Situation kommen.

Was sind die Symptome einer Pankreatitis bei Katzen?

Die grosse Schwierigkeit für den Besitzer und auch für den Tierarzt besteht darin, dass die Symptome der Pankreatitis meist unspezifisch und manchmal so unauffällig sind, dass sie übersehen werden. 

Symptome, die wir nennen können, sind Lethargie, Anorexie, Erbrechen, Gewichtsverlust, Durchfall.

Klinische Untersuchung zeigen blasse Schleimhäute, Hypothermie, Bauchschmerzen und manchmal auch Gelbsucht oder Fieber.

Eine Studie an 115 toten Katzen zeigt, dass bei derer Autopsie 67% entzündungsähnliche Pankreasläsionen hatten. Davon waren 45% scheinbar gesunden Katzen. Auch wurde eine signifikante Korrelation zwischen dem Alter und der chronischen Form bei Katzen gefunden. (De Cock et al. 2007)

Welche Katzen sind am häufigsten von Pankreatitis betroffen?

Katzen erkranken am häufigsten ab einem Alter von etwa 6 Jahren. Männliche und weibliche Katzen sind gleichermassen betroffen. Siamkatzen scheinen häufiger an Pankreatitis zu erkranken als andere Katzen.

Symptome der Pankreatitis bei Katzen

Die häufigsten Anzeichen für eine Pankreatitis bei Katzen sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Lethargie und Dehydrierung, teilweises Fieber oder Hypothermie. Aber nicht alle Katzen haben über einen längeren Zeitraum Bauchschmerzen. Daher ist eine Masse in der Bauchhöhle oft nicht tastbar.

Unterschiede zu Hunden: Erbrechen und Durchfall können auftreten, müssen es aber nicht.

Diagnose der Pankreatitis bei Katzen

Um eine Arbeitshypothese zu bestätigen, ist ein Bluttest unumgänglich: insbesondere die Immun Reaktivität der spezifischen Pankreaslipase im Serum, f-PL (feline pancreatic lipase immunoreactivity), spielt dabei eine wichtige Rolle. Alle anderen Veränderungen im Blut sind für diese Diagnose nicht wirklich relevant.

Röntgen- und Ultraschallaufnahmen sind wichtige Untersuchungsmöglichkeiten, um das Ausmass des Schadens zu objektivieren und die zugehörigen Organe (Magen, Leber) zu visualisieren.

Katzen mit Pankreatitis leiden sehr häufig an anderen Begleiterkrankungen. Auch diese Krankheiten sollten getestet werden: Diabetes, Enteritis (Entzündung des Dünndarmes), Cholongiohepatitis (Erkrankung der Gallenwege).

Therapie für Katzen mit Pankreatitis

Die Katze weist metabolische Besonderheiten auf, sie hat einen Erhaltungsbedarf, der sich in Bezug auf den Bedarf an Proteinen und Nahrungsfetten erheblich von dem der Hunde unterscheidet. Katzen haben einen höheren Nahrungsbedarf und eine höhere Toleranz gegenüber Nahrungsfetten. Diese Spezies hat deshalb auch einen besonderen Bedarf an vier Aminosäuren: Arginin, Taurin, Methionin und Cystin.

Die Empfehlung für eine fettarme Ernährung (d. h. <25 % Fett in der Trockenmasse oder <3 g Fett/100 kcal) gilt daher nicht für die Katze, aber sie sollten sich trotzdem fettarm ernähren, um einen Kalorienüberschuss zu vermeiden. 

Fettarme Feuchtnahrung von ANiFiT:

Die Therapie des Tierarztes wird aus den folgenden Punkten bestehen:

  • Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten.
  • Da leidende Katzen oft die Nahrungsaufnahme verweigern, sind Schmerzmittel und Medikamente gegen Erbrechen sehr wichtig.
  • Manchmal kann es auch notwendig sein, die Katze mit einer Sonde zu füttern.
  • Kranke Tiere dürfen nicht fasten, da dies zu anderen schwerwiegenden Problemen führen kann (hepatische Lipidose = Fettleber)
  • Antibiotika sind fast nie erforderlich, da es sich bei der Pankreatitis um einen entzündlichen, nicht septischen Prozess handelt.
  • Kortison
  • Vitamin B12

Anders als bei Hunden werden Steroide (Kortison) erfolgreich eingesetzt, vor allem bei chronischen Prozessen. Da viele Patienten mit Pankreatitis gleichzeitig unter einer Darmkrankheit leiden, muss die Nahrung darmschonend sein. Es sollte hochwertige Proteine gefüttert werden mit einem moderaten Fettanteil.

Prognose für eine Katze mit Pankreatitis

Die Prognose hängt von der Schwere der Krankheit ab - je schwerer der Verlauf, desto schlechter die Prognose. Katzen mit mässigem Krankheitsverlauf können jahrelang symptomfrei bleiben. Ein Rückfall ist jedoch jederzeit möglich.

Wenn andere Krankheiten wie Diabetes mellitus, Leber- oder Darmerkrankungen beteiligt sind, verschlechtert sich die Prognose erheblich.

Komplikationen, die durch eine Pankreatitis verursacht werden

Diabetes mellitus, Erkrankungen des Darms, der Leber und der Gallenblase und ihrer Kanäle sind nicht selten und können schwerwiegend sein. Es ist wichtig, eine kranke Katze weiterhin regelmässig mit Hilfe von Bluttests zu überwachen, auch wenn sie scheinbar keine Symptome zeigt.

Punkte, auf die man achten sollte

Jede Katze mit akuten und vor allem chronischen Magen-Darm-Problemen, Diabetes mellitus oder Lebererkrankungen, sollte genauer untersucht werden, um festzustellen, ob sie auch an einer Pankreatitis leiden könnte.

Zusätzliche medizinische Therapien sind bei kranken Katzen sicherlich hilfreich. Welche Methode am besten geeignet ist, sollte von Fall zu Fall angeschaut werden. Die Nebenwirkungen spielen dabei eine wichtige Rolle und wie gut das Tier kooperiert (Medikamente oral eingeben oder unters Futter mischen).


Achten Sie darauf, dass Ihre Katze eine gesunde Ernährung erhält. Sie finden eine grosse Auswahl im ANiFiT Online-Shop.

Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihre BeraterIn.

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